Die eigene Schule mit der „PISA-Lupe“ untersuchenDie "Intiatiave länger gemeinsam lernen" ruft dazu auf, die Ergebnisse der PISA-Studie auf die eigene Schule anzuwenden und zu diskutieren. Zentrale Fragen dabei sind: Wie steht es an unserer Schule mit "finnischem Denken"? und Welche Ergebnisse - nach Herkunft differenziert - erreichen unsere Schüler/innen?
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- Die Pisa-Lupe kann auch in Druckform als Flyer bei der „Initiative Länger gemeinsam lernen“, Niddastraße 52, 60329 Frankfurt/Main, angefordert werden.
„Eine gemeinsame Schule für alle muss eine Schule sein, die Verschiedenheit respektiert und nicht von allen das Gleiche verlangt, sondern jedes einzelne Mädchen und jeden einzelnen Jungen in seiner Gesamtentwicklung unterstützt und dafür sorgt, dass beim Miteinander- und Voneinander-Lernen individuelle Fähigkeiten und soziale Kompetenzen optimal entwickelt werden können.“ (Gemeinsame Grundsatzposition der Initiative Länger gemeinsam lernen, 2001).
Es gibt Reformbedarf im deutschen Schulsystem – darüber bestehen kaum noch Zweifel. PISA hat gezeigt: Im internationalen Vergleich gelingt es in Deutschland nicht gut, die Kinder individuell zu fördern und zu guten Leistungen zu führen. Und es steht nicht gut um die Chancengleichheit. Seit IGLU wissen wir allerdings, dass dies zwar auch für die Grundschulen gilt, weit mehr aber noch für die Schulen des Sekundarbereichs.
Eine Ausgangslage ist in allen Ländern gleich: Die jungen Menschen sind nach Herkunft und Fähigkeiten sehr verschieden. Alle Länder müssen sich dieser Tatsache stellen und gute Lösungen finden. Die Kultusministerkonferenz hat als Reaktion auf PISA und IGLU eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, die Änderungen bewirken sollen. Im politischen Raum wird kontrovers über weitere Reformen diskutiert. Das Ergebnis ist noch offen. In den Schulen selbst führt dies vielfach zu Unsicherheiten: Was kommt an Neuerungen konkret auf uns zu? Was wird von uns verlangt werden?
Die Gestaltung einer Schulstruktur, die an individueller Förderung und nicht an Selektion orientiert ist, bleibt Aufgabe der Politik. Der förderorientierte Blick und die gemeinsame Verantwortung für den Schulerfolg sind indessen Sache der täglichen Schulpraxis. Beides muss zusammenwirken. Die „Initiative Länger gemeinsam lernen“ bietet allen Schulen eine Möglichkeit, selber aktiv zu werden.Worum geht es? - Die Leistungen in allen Kompetenzbereichen müssen und können besser werden, in der Spitze, an der Basis und in der Gesamtheit.
- Die Chancengleichheit von Kindern unterer Sozialschichten beim Bildungserfolg muss gesteigert werden.
Aber PISA und IGLU haben auch die Augen dafür geöffnet, dass Förderung aller Kinder und Chancengleichheit nicht quasi „von selbst“ erreicht werden. Um diese Ziele zu verwirklichen, müssen sie ausdrücklich in den Blick genommen werden. Der Ist-Stand muss bekannt sein und Ziele müssen vereinbart werden. Jede Schule sollte dazu die eigene Ausgangsbasis untersuchen. Das Kollegium, die Eltern, Schülerinnen und Schüler, kurz: jede Teilgruppe kann eine solche Untersuchung anregen. Welche konkreten Maßnahmen die Bildungsministerien für ihre jeweiligen Bundesländer auch beschließen mögen, diese Selbstuntersuchung mit der „PISA-Lupe“ wird bei jeglicher pädagogischen Arbeit wichtig sein. Deshalb: Betrachten Sie Ihre Schule mit der „PISA-Lupe“!A. Wie steht es an unserer Schule mit „finnischem Denken“?Das Bildungsverständnis des PISA-Spitzenlandes Finnland ist klar ausgeprägt und erfolgreich. Es basiert auf einer breiten Übereinstimmung in wichtigen Prinzipien. Alle Schulen müssen sich daran orientieren.
Die zentralen Grundsätze sind:
Aus Lehrersicht: - „Kein Kind beschämen, kein Kind zurücklassen.“
- „Jedes Kind zählt und verdient Unterstützung.“
Aus Schülersicht: - „Die Schule sorgt gut für uns.“
- „Sie ermöglicht uns, erfolgreich zu lernen.“
Untersuchen Sie Ihre Schule daraufhin, ob in ihr „finnisches Denken“ verwirklicht ist. - Sind das die Grundsätze, die wir an unserer Schule verwirklichen wollen?
- Wie wollen wir deren Vorkommen im Alltag unserer Schule feststellen?
- Welches Lehrer- und Elternverhalten an unserer Schule entspricht diesen Prinzipien?
- Welches Verhalten widerspricht ihnen? Beispiele dazu sammeln.
- Wie können wir effektiv und respektvoll Annäherungen an diese Prinzipien erreichen?
B. Welche Ergebnisse - nach Herkunft differenziert - erreichen unsere Schüler/innen?PISA zeigte auf, dass der Schulerfolg eines Kindes in Deutschland viel stärker als in anderen Ländern von seiner sozialen Herkunft abhängt. Wie sieht es damit an unserer Schule aus? - Welchen sozialen Hintergrund haben unsere Schülerinnen und Schüler?
- Wie viele von ihnen haben einen Migrationshintergrund?
- Wie viel Prozent der verschiedenen Gruppen erreichen welche Empfehlungen zum Übergang in die weiterführenden Schulen oder welche Abschlüsse am Ende der Sekundarstufe I?
- Wie viel Prozent der verschiedenen Gruppen bleiben sitzen oder werden auf Sonderschulen überwiesen?
- Wie viel Prozent der verschiedenen Gruppen gehen in welches Fachleistungsniveau?
- Gibt es auffallende Unterschiede zwischen den Gruppen?
- Wie deuten wir diese Ergebnisse? Wollen wir andere Ergebnisse erreichen?
Es kommt darauf an, bekannte Sozialdaten und das Wissen über die Herkunft der Schülerinnen und Schüler verantwortungsvoll zu nutzen. Darüber hinaus bleiben die Schulbehörden in der Pflicht, alle Sozialdaten zu erheben und bereit zu stellen, die für das Erreichen von mehr sozialer Chancengleichheit in der Schule erforderlich sind. Diskutieren Sie auf der Grundlage dieses gesammelten Wissens über die eigene Schule:War uns das bewusst? Hätten wir es vermutet? Wollen wir es so hinnehmen oder ändern? Können wir auf dieser Datenbasis kurz- und langfristige Ziele gemeinsam formulieren? Wie können wir die Schülerinnen und Schüler an diesem Prozess beteiligen? Haben wir Ideen, wie wir diese Ziele erreichen können? Was nehmen wir uns vor? Alle können die „PISA-Lupe“ nutzen!In jeder Schule kann eine solche Betrachtung wertvolle Erkenntnisse liefern. Jede (Teil-)Gruppe der Schule kann sie anregen. Überall ist der Einstieg möglich. Jederzeit kann damit begonnen werden. Gemeinsame Verantwortung für das Lernen kann entstehen. Die „Initiative Länger gemeinsam lernen“ ruft alle Schulen zum Mitmachen auf.
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