LernraumDer dritte Pädagoge
Ulla Widmer-Rockstroh
Was ist gemeint?
Eine finnische Schulweisheit besagt: „Drei Lehrer hat ein Kind: andere Kinder – die Lehrerinnen und Lehrer – den Raum.“ Lernen wird durch eine anregende Lernumgebung motiviert und gefördert. Die Lernumgebung muss herausfordernd sein und selbständiges Lernen unterstützen. In der Schule müssen alle Räume, die Flure und der Pausenhof - schön sein. Kinder und Jugendliche sollen sich wohl fühlen, sich mit „ihrer“ Schule identifizieren, sie mitgestalten und merken: hier ist Lernen interessant, hier werde ich wertgeschätzt.
Was bedeutet das konkret? Welche Probleme gibt es?
Viele Lehrkräfte und Schulleitungen (insbesondere der Sekundarschulen) unterschätzen die Bedeutung des Lernraums. Sie fühlen sich dafür nicht zuständig, sind ausgelastet durch ihre anderen schulischen Tätigkeiten, sie betrachten Schule nicht als Raum für Kreativität und/oder fürchten eher den „Vandalismus“ der Schülerinnen und Schüler. Andere Professionen an der Schule – wie etwa ErzieherInnen oder SchulsozialarbeiterInnen - konzentrieren sich auf ihre Betreuungsbereiche. Die Kinder und Jugendlichen lernen so nicht, Ansprüche an die Schulräume zu entwickeln. Brandschutzbestimmungen und andere amtliche Hindernisse erschweren es, umzudenken und initiativ zu werden.
Wer selbstständiges oder entdeckendes Lernen fördern will, braucht Tische, Regale und Ablageflächen für Material, kleine Bibliotheken, Spiele und technische Geräte. Die Wände sollten ein Spiegel der Inhalte und Produkte des Lernens sein. Die Sitzordnung muss flexibel sein für unterschiedliche Arbeitsweisen. Ein Lernraum braucht Aktionsecken, Ruhe-, Lese-, Spiel- oder Teppichecken. Flure sollten als „Wege zum Lernen“ schön gestaltet sein. Mensen sollen durch ihre Einrichtung das gemeinsame Essen zu einem Vergnügen und Pausenhöfe Lust auf Entspannung, Bewegung, Anregung und Kommunikation machen.
Was ist zu tun?
Umdenken: Die Pädagogik bestimmt den Raum und nicht umgekehrt. Beispiele geglückter Schulgestaltung besuchen: zum Beispiel die Offene Schule Kassel-Waldau, die Hanna-Höch-Grundschule Berlin, die Helene-Lange-Schule Wiesbaden und viele mehr. Ohnehin geplante Umbaumaßnahmen nutzen: Warum also nicht auch mal eine Wand einreißen?
Vor allem sollten die Schülerinnen und Schüler bei der Gestaltung der Räume aktiv einbezogen werden. Das macht sie stolz auf ihre Schule und beugt Vandalismus vor.
Zum Weiterlesen: - Dreier, Kucharz, Ramseger, Sörensen: „Grundschulen planen, bauen, neu gestalten“. Hg. vom Grundschulverband, Frankfurt am Main, Best.-Nr. 2032
- www.baut-raum.de (Netzwerkkampagne Bundesstiftung Baukultur)
- www.adz-netzwerk.de/Raeume-Reviere (Themen Architektur, Bauten und Umbauten, Improvisation und Akustik im „Archiv der Zukunft“-Netzwerk)
- www.gruen-macht-schule.de (Beratungsstelle für ökologische und kindgerechte Schulhofgestaltung)
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