Inklusive Schule„Es lebe der große Unterschied!“
Detlef Träbert
Um was geht es?
„Inklusion“ (lat. includere = einschließen) bedeutet „Einschluss“, „alles inklusive“ bei einer Preisangabe den Einschluss aller Nebenkosten.
In der Pädagogik markiert der Begriff Inklusion den vorläufigen Endpunkt der Entwicklung des Umgangs mit Kindern und Jugendlichen mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen: von der anfänglichen Exklusion (vollständiger Ausschluss von der Teilhabe an institutioneller Bildung) über die Separation (in Institutionen außerhalb des allgemeinen Schulsystems) und die Integration (innerhalb der Regelschule, aber nur teilweise und unter Fokussierung ihrer Andersartigkeit) bis zur Inklusion.
Die inklusive Schule kritisiert die Unterscheidung nach „normal“ und „förderbedürftig“ und geht von einer Vielfalt an Kompetenzen in jeder Lerngruppe aus. Sie billigt allen Kindern und Jugendlichen gemäß den Menschen- und Bürgerrechten gleichberechtigte Teilhabe und Mitgestaltungsmöglichkeiten bei gleichzeitiger Berücksichtigung ihrer individuellen Bedürfnisse zu, für die es manchmal der Bereitstellung spezieller Mittel und Methoden bedarf.
Welche Bedeutung hat das Thema? Welche Probleme gibt es?
Auf der UNESCO-Konferenz von Salamanca 1994 wurde Inklusion als wichtigstes Ziel internationaler Bildungspolitik bestimmt. 2006 beschlossen die Vereinten Nationen das „Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ (UN-Behindertenrechtskonvention = BRK). Seit die Bundesrepublik Deutschland diese Konvention ratifiziert hat – das entsprechende Gesetz trat am 26. März 2009 in Kraft –, ist sie völkerrechtlich in der Pflicht, umgehend für den Zugang aller Menschen zu allen Bildungseinrichtungen zu sorgen.
Was ist zu tun?
Um Integrationsquoten von 70 - 90 Prozent wie in Island, Italien, Norwegen oder Schweden zu erreichen, ist es erforderlich, - an der Schaffung einer Schule für alle zu arbeiten, denn Inklusion in der Selektion ist Illusion;
- die bisherigen Mittel für gesonderte Förderung umzuwidmen, um ausreichende Rahmenbedingungen für individuelle Förderung zu gestalten;
- allen Schulen besondere Förder- sowie therapeutische Kompetenzen, aber bei Bedarf auch spezielle Medien und Materialien zur Verfügung zu stellen.
Die Sorge einer Senkung des Leistungsniveaus im Schulwesen oder der Benachteiligung leistungsstarker Schüler/-innen ist unberechtigt, wie Erfahrungen aus mehreren Jahrzehnten Integrationspädagogik und aus internationalen Studien belegen. Inklusive Schule fördert alle Kinder besser.
Zum Weiterlesen: - www.inkoe.de
- www.inklusive-schule.de
- www.inklusionspaedagogik.de
- Jutta Schöler: Alle sind verschieden. Auf dem Weg zur Inklusion in der Schule, Weinheim/Basel (Beltz) 2009, 176 S., € 29,95
- Andreas Hinz, Ingrid Körner, Ulrich Niehoff (Hrsg.): Auf dem Weg zur Schule für alle. Barrieren überwinden - inklusive Pädagogik entwickeln. Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V.. Lebenshilfe-Verlag Marburg 2010.
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