Individuelle Förderung„Jedes Kind hat Stärken!“
Peter Heyer / Martina Schmerr
Um was geht es?
Lernen ist ein individueller Prozess. Jeder Mensch geht eigene Lernwege. Es ist Aufgabe der Schule, jedes Kind und jeden Jugendlichen auf seinem Lernweg zu begleiten und in seinem Lernprozess individuell zu unterstützen. Individuelle Förderung verlangt eine pädagogische Grundhaltung, die von den Stärken der Kinder ausgeht. Alle Kinder haben Stärken.
Welche Bedeutung hat das Thema? Welche Probleme gibt es?
„Individuelle Förderung“ wird in der Öffentlichkeit inzwischen unstrittig als Aufgabe von Schule angesehen. Allerdings wird der Begriff mittlerweile inflationär gebraucht und gerät schnell zum Lippenbekenntnis von Politikern aller Couleur. Die Vorstellung, in möglichst alters- und leistungshomogenen Lerngruppen zum selben Zeitpunkt denselben Lernstoff zu vermitteln, sollte mittlerweile der Vergangenheit angehören. Ebenso die Konsequenzen eines solchen Unterrichts, wie etwa das „Sitzen bleiben“ oder die Sortierung in andere Schulformen. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass ein produktiver Umgang mit der Verschiedenheit der Kinder möglich ist. Es geht um den Wandel vom Unterricht zum Lernen, um eine Schulkultur, die von Respekt, Wertschätzung und Vertrauen geprägt ist.
Das Prinzip der individuellen Förderung stößt jedoch an Grenzen, wenn die Rahmenbedingungen (z.B. die Klassengröße, fehlendes Personal, mangelhafte Aus- und Fortbildung) nicht stimmen und selektive Schulstrukturen ihm zuwider laufen.
Was ist zu tun?
Schulen müssen lernen, wie sie Kinder konkret darin unterstützen können, trotz ihrer Verschiedenheit gemeinsam mit anderen Kindern erfolgreich eigene Lernwege zu gehen. Viele fortschrittliche Schulen in Deutschland und viele erfolgreiche PISA-Länder machen vor, wie das gehen kann. Individuelle Förderung gelingt jedoch nur, wenn alle an Schulen Beteiligten sie als Aufgabe annehmen: Kinder und Eltern, die Lehrer(innen) und andere pädagogische Fachkräfte, die Schulleitungen, Sekretärinnen und Hausmeister. Und natürlich die in Verwaltung und Politik verantwortlichen Menschen.
Individuelle Förderung besteht nicht aus pädagogischen Tricks. Merkmale der individuellen Förderung sind z.B. die professionelle Begleitung und Beratung der Kinder bei ihrem Lernen, differenzierte Aufgaben und Lernwege, selbst gesteuerte und kooperative Lernprozesse, flexible Lernorte und –zeiten sowie individuelle Förderpläne und Leistungsrückmeldungen.
Zum Weiterlesen: - http://www.netzwerk-heterogenitaet.de
- Katrin Höhmann, Rainer Kopp, Heidemarie Schäfers, und Marianne Demmer (Hg.): Lernen über Grenzen. Auf dem Weg zu einer Lernkultur, die vom Individuum ausgeht (2008) Erschienen im Budrich Verlag. Zum Vorzugspreis für GEW Mitglieder zu beziehen über broschueren( bei)gew.de (von 17,50 EUR inkl. Versand) oder im Buchhandel (24,90 EUR)
- Individuell lernen – kooperativ arbeiten. Friedrich Jahresheft. Friedrich-Verlag 2008
- Diagnostizieren und fördern: Stärken entdecken – Können entwickeln. Friedrich Jahresheft. Friedrich-Verlag 2006
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