Heterogenität„Falsche Schüler“ gibt es nicht!
Ulla Widmer-Rockstroh
Was ist gemeint?
Die (deutsche) Pädagogik ging jahrhundertelang davon aus, dass das Lernen in möglichst homogenen Gruppen am erfolgreichsten sei. Das Schulangebot war an einer ständisch-hierarchischen Gesellschaft orientiert. Dem entsprach ein gegliedertes Schulsystem mit früher Auslese. Der Schüler galt als Objekt im vom Lehrer bestimmten Unterricht. Die Reformbewegungen der letzten 100 Jahre sehen den Schüler dagegen als selbstverantwortliches Subjekt mit individuellen Entwicklungs- und Förderansprüchen. Lernen erfolgt weitaus mehr im Spannungsfeld von Individuum, Gruppe und Sache als im Frage-Antwort-Dialog zwischen Schüler und Lehrer. Das gemeinsame Lernen in der Vielfalt soll die Kompetenzen der Individuen in allen Bereichen entwickeln – kognitiv, personal und sozial. Das Ziel (schulischen) Lernens sind gleichberechtigte, politisch verantwortliche Mitglieder der demokratischen Gesellschaft.
Welche Probleme gibt es?
Heterogenität als positive Herausforderung wahrzunehmen, verlangt ein grundsätzliches Umdenken. Lehrkräfte müssen individuelle Lernprozesse begleiten und damit ihre Lehrerrolle verändern. Viele Eltern kennen aus eigener Erfahrung selbst nur ein gegliedertes Schulwesen und haben Ängste und Vorurteile dem gemeinsamen Lernen gegenüber. Viele Eltern wie auch Lehrkräfte denken, dass die „schwächeren“ Schülerinnen und Schüler das Lernniveau senken. Oder dass die „Guten“ sich langweilen und die „Schlechten“ ausgegrenzt werden. Oder dass das Unterrichten überfordert, weil man so unterschiedlichen Kindern nicht gerecht werden kann.
Dabei zeigen wissenschaftliche Studien, erfolgreiche PISA-Länder, aber auch deutsche Schulen, die mit der Heterogenität ihrer Schülerinnen und Schüler erfolgreich umgehen: Diese Befürchtungen sind unbegründet. Heterogene Gruppen zeigen durchaus hohe Leistungen. „Stärkere“ Schüler werden keinesfalls benachteiligt sondern sogar herausgefordert, wenn sie kooperativ mit schwächeren Schülern zusammenarbeiten. Und die leistungsschwächeren Schülerinnen und Schüler profitieren nachweislich, weil sie mehr Anregungen und Unterstützung finden.
Was ist zu tun?
Den Vorbildern folgen! Vielfalt als Reichtum begreifen. Sich im Team beraten, um die Umsetzungsprobleme zu bewältigen. Zusammen tragen, was gebraucht wird. Überlegen, wie die Verschiedenheit und die Stärken der Kinder im Lernprozess genutzt werden können.
Zum Weiterlesen: - www.netzwerk-heterogenität.de
- www.ganztaegig-lernen.org
- Heterogenität. Unterschiede nutzen – Gemeinsamkeiten stärken. Friedrich Jahresheft XXII. Friedrich-Verlag 2004
- Annemarie von der Groeben: Verschiedenheit nutzen . Besser lernen in heterogenen Gruppen. Cornelsen Verlag 2008
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